DIE GRÜNEN FRAUEN auf Vincent-Preis-Nominierungsliste

Die grünen Frauen sind auf der Nominierungsliste des Vincent Preises 2019 in der Kategorie „Beste Kurzgeschichtensammlung“ angekommen. Die Einzelgeschichten „Die lange Nacht“ und „Die grünen Frauen“ stehen in der Rubrik „Beste Kurzgeschichte“.

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Besprechung von Julia A. Jorges

Die Schrifstellerin Julia A. Jorges hat im neuaufgestellten Forum Phantastische Literatur eine wundervolle Besprechung zu Die grünen Frauen gepostet, die ein außergewöhnlich tiefes Verständnis für meine Geschichten erkennen lässt und – ganz ehrlich – für multiple Gänsehaut bei mir gesorgt hat.
Daraus einzelne Sätze zu zitieren ist mir nicht geglückt, und so bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass mir gar nichts anderes übrigbleibt als alle Sätze zu zitieren:

Frank Duwald gelingt es, ganz unterschiedliche, trefflich auf das Thema abgestimmte Bilder zu erzeugen und Stimmungen zu kreieren, von filigran und unwirklich bis bedrohlich, verloren, grotesk. Der Band gleicht einem Kaleidoskop, die einzelnen Erzählungen werfen Schlaglichter auf die Wünsche, Hoffnungen, Tragödien ganz verschiedener Menschen. So unterschiedlich die Geschichten, ist ihnen allen eine Surrealität gemeinsam, die teils durchgängig ist, teils mit realen, vergangenen und gegenwärtigen Begebenheiten aus dem Lebensalltag der Protagonisten abwechselt, wobei sich die Fäden verschlingen und ein neues Ganzes bilden.
Es sind zumeist Getriebene, nur auf den ersten Blick beliebige Jedermänner, die aus individuellen Gründen oder aus purem Zufall (?) vom gewohnt-gewöhnlichen Lebensweg abweichen, um sich auf seltsamen, wenig beschrittenen Pfaden wiederzufinden und manchmal auch in der Wildnis jenseits davon zu verirren. Das dann aber mit aller Gründlichkeit, deren letzte Konsequenz sich auszumalen der Leser aufgefordert ist. Die Figuren mögen Mitgefühl erwecken oder auch Ablehnung sowie alle Abstufungen dazwischen, gleichgültig lassen sie einen nicht.
Es geht um Sehnsüchte, unmögliche Liebe, Verlangen, Verlust, sieht sich der Protagonist konfrontiert mit einer Weiblichkeit, der er nicht gewachsen ist, die sich ihm wie der morgendliche Fetzen eines Traumbildes entzieht, die er verehrt und fürchtet zugleich, in erster Linie aber bedingungslos liebt.
Von den sechs Erzählungen unterschiedlicher Länge geht ein Zauber aus, der einen nicht kalt lässt, der auf die eine oder andere Art und Weise berührt, mal verstörend, mal betörend. Dabei sind es nicht die teils ungewöhnlichen Ideen, das Sprachvermögen oder die Figuren für sich genommen, es ist deren Zusammenspiel, das diesen Zauber bewirkt, der sich besonders dort entfaltet, wo der Rezipient einen gewissen Widerhall in sich selbst spürt.
Meine persönlichen Favoriten sind „Die Wörter an der Wand“ sowie die titelgebende und umfangreichste Geschichte „Die grünen Frauen“, rätselhaft bleibt für mich „Das Spiel kann beginnen“.
Hervorzuheben sind noch die in wunderschönen Farben gehaltenen Illustrationen [von Alexandra F.], die den Erzählband stimmungsvoll abrunden.

Die Originalrezension ist hier zu finden.

Ornamente in Jade

Quasi als Überbrückung zu meinem nächsten Projekt habe ich mich daran gegeben Arthur Machens wunderschönes Büchlein Ornaments in Jade ins Deutsche zu übersetzen. Dieses meisterhafte Werk entstammt Machens fruchtbarster Schreibphase, in der auch seine feinsten Texte wie Der Berg der Träume, „Die weißen Gestalten“ und „A Fragment of Life“ (leider nie auf Deutsch erschienen) entstanden.
Ornamente in Jade enthält zehn Prosaskizzen, die in verdichteter, traumhaft schöner Sprache teilweise sehr intensive Momentaufnahmen liefern, durch die ein Hauch Übernatürliches weht.
Ich mache diese Übersetzung einfach nur aus Spaß an der Sache, wenn sie aber irgendwann jemand veröffentlichen will, würde ich nicht nein sagen.

Erik R. Andara | Im Garten Numen

Schon in seiner letztjährigen Novelle Hinaus durch die zweite Tür gab uns Erik R. Andara dieses unangenehme Gefühl, dass hinter der uns bekannten Welt lichtlose, von schemenhaften, gottgleichen Präsenzen besiedelte Geographien existieren könnten. Das ist seit H. P. Lovecraft nicht neu, aber wie Erik R. Andara es in besagter Novelle und jetzt in seinem ersten Roman Der Garten Numen angeht, ist bemerkenswert.
Der Architekt von Der Garten Numen verwendet viel Platz darauf, die eigentliche Handlung vorzubereiten und die Charaktere zu entwickeln. Simon Heymann, der gestrauchelte und immer wieder aufgestandene Ex-Junkie wird wunderbar graustufig dargestellt. Emotional und manchmal polterig aber nichtsdestotrotz mit Sinn und Verstand bewegt er sich durch das undurchdringlich scheinende Ereignisnetz, in welchem ihm seine drogenabhängige Tochter genommen wurde, deren Spur er in Fugenschlag, einem gottverlassenen Kaff irgendwo in Österreich, mit Wut im Bauch verfolgt. Die weiteren Charaktere, denen er begegnet, allen voran die traurige Frau Huber und der wortgewandte Kaplan Horak, den man im Wechsel permanent mal als Freund und mal als Feind ansieht, werden aus den unterschiedlichsten Richtungen subtil ausgeleuchtet, wodurch Erik R. Andara Interesse für seine Figuren erweckt und Nähe zu ihnen erschafft.
Nachdem die erste Romanhälfte dem stimmungsvollen Bekanntgeben und Sondieren der Grundsituation gewidmet ist, legt sich die zweite Hälfte plötzlich quietschend in die Kurve und nimmt immer mehr an Fahrt auf. Eine Stimmungswelt wie aus den kurzgeschlossenen Geistern H. P. Lovecrafts, Ursula K. Le Guins und David Lynchs erschaffen, treibt diesen sehr empfehlenswerten Roman zu einem grandiosen, melancholischen Ende.

Nighttrain, 2019